Die Cherokee Nation, der größte Stamm in den USA mit mehr als 475.000 Bürgern, hat den Bau von Hyperscale-Rechenzentren auf im Besitz des Stammes befindlichen Ländereien sowie auf Treuhandgrundstücken untersagt. Dieser Schritt erfolgte, nachdem eine von Principal Chief Chuck Hoskin Jr. eingesetzte Arbeitsgruppe feststellte, dass 64 % der befragten 1.593 Bürger gegen den Bau solcher Anlagen innerhalb des Reservats im Nordosten von Oklahoma sind.
Bedenken der Bürger und Auswirkungen auf die Umgebung
In dem 37-seitigen Bericht werden Wasser- und Energieverbrauch, Luftqualität, Lärmbelästigung und die Notwendigkeit des Schutzes kultureller Ressourcen als Hauptprobleme angeführt. Der Stamm erklärte, dass er auch Projekte auf Grundstücken, die nicht im Besitz des Stammes sind, nicht unterstützen werde, sofern keine vorherigen Konsultationen stattfinden.
Chuck Hoskin sagte in einer Erklärung des Stammes: "Unsere primäre Pflicht ist es, unsere Bürger und Stammesgemeinschaften vor diesen Bedrohungen zu schützen, daher werden wir keine Hyperscale-Rechenzentren in unserem Reservat ohne ordnungsgemäße Konsultationen unterstützen."
Probleme bei der Erfassung von Zentren in Oklahoma
Die Arbeitsgruppe konnte nicht genau bestimmen, wie viele Rechenzentren in Oklahoma tatsächlich existieren. Verschiedene Quellen geben für Juni 2026 unterschiedliche Zahlen an: Cleanview zählt 12 in Betrieb befindliche und 17 geplante Projekte, DataCenterMap führt 46 aktive Zentren auf und ConstructConnect sieht 33 Projekte in der Planungsphase. Da es keine Registrierungspflicht gibt, verfolgte die Gruppe die Emissionsgenehmigungen für Notstromaggregate beim Oklahoma Department of Environmental Quality, was jedoch nicht alle Standorte abdeckt.
Aktuelle Projekte und allgemeiner Trend
Alle derzeit aktiven Projekte im Reservat befinden sich auf Grundstücken, die nicht dem Stamm gehören, sodass das Verbot auf sie keine Anwendung findet. Dazu gehören beispielsweise der Google-Campus in Pryor, der seit 2011 in Betrieb ist, Project Clydesdale bei Owasso oder Project Mustang in Claremore. Der Stamm hat über diese Grundstücke keine direkte Regulierungsgewalt und kann nur über Konsultationen Einfluss nehmen.
Die Cherokee Nation schließt sich damit der Seminole Nation und dem Kickapoo Tribe an, die im März bzw. Juli eigene Moratorien eingeführt haben. Ein ähnliches Vorgehen wählte auch die Stadt Tulsa, die im März neue Genehmigungen für neun Monate gestoppt hat. Insgesamt haben in den USA mindestens 69 Gerichtsbarkeiten den Bau blockiert.
Widerspruch zwischen KI-Nutzung und Ablehnung der Zentren
Die Umfrage deckte eine paradoxe Situation auf. Während 64 % der Menschen den Bau von Zentren ablehnen, nutzen 73 % der Befragten generative KI-Tools. Davon nutzen 34 % diese täglich und 19 % wöchentlich. Der Bericht bezeichnet dies als klaren Widerspruch zwischen der Wahrnehmung der Bürger und ihrem Verhalten. Er empfiehlt daher die Erstellung von Informationsblättern darüber, wie die tägliche Nutzung von KI die Nachfrage nach Hyperscale-Zentren erhöht, sowie die Einrichtung eines ständigen Beirats für zukünftige Vorschläge.